Yoga als Lebensweg und Geistesschulung lädt uns ein auch in herausfordernden Lebenssituationen in unserer Mitte zu verweilen beziehungsweise zurückzukehren. Ein Beispiel: wir werden mit dem plötzlichen Tod einer geliebten Person konfrontiert. Wie kann man damit umgehen? Wie erträgt man den Schmerz? Wie erklärt man sich das Geschehen?
Die Yogaphilosophie ermutigt uns, den Geist zu beruhigen, indem wir Gleichmut angesichts des Geschehens kultivieren (YS: 1, 33). Aber wie erreicht man dies während der Trauer? Bedeutet Gleichmut, den Schmerz zu verdrängen? Bedeutet er, weiterzuleben, als wäre nichts passiert? Oder heißt er vielmehr, den Schmerz vollständig anzunehmen, ohne von ihm überwältigt zu werden?
In solchen Momenten suchen wir nach einem Sinn und fragen unweigerlich: Warum? Doch würde die Antwort auf diese Frage den Verlust ungeschehen machen? Würde sie den Schmerz wirklich lindern? Gerade in solchen Momenten zeigt sich, ob unsere Yogapraxis mehr ist als körperliche Übung. Sie wird zu einer inneren Haltung, die uns trägt.
Das Leben besteht aus Höhen und Tiefen, gerade das macht es so spannend. Aus dieser Perspektive wirkt die Yogapraxis wie ein Surfbrett, auf dem wir die Wellen des Lebens surfen können, und es gibt für alles seine Zeit; eine Zeit der Freude, eine Zeit für Wut, eine Zeit zum Schweigen, eine zum Reden und so weiter.
Der Yoga Sutra 1:33 gibt uns vier Haltungen, die uns dabei unterstützen den Geist in Klarheit, Heiterkeit und Gelassenheit zu bringen und zu halten:
· Freundlichkeit gegenüber Menschen, denen es gut geht, statt Neid zu empfinden.
· Mitgefühl gegenüber Leidenden, anstatt zu urteilen oder wegzusehen, begegnet man ihnen mit offenem Herzen.
· Mitfreude gegenüber erfolgreichen Menschen. Man freut sich ehrlich über das Gute, das andere tun oder erfahren.
· Gleichmut gegenüber Menschen, die unethisch oder schädlich handeln. Soll nicht Gleichgültigkeit heißen, sondern, auf die eigenen Werte achtend, man lässt sich nicht davon beeinflussen.
Im Betrachten dessen, wird uns die Vergänglichkeit unseres irdischen Daseins bewusst. Dadurch lernen wir die Zeit mit unseren geliebten Menschen mehr zu schätzen und den gegenwärtigen Moment bewusster zu leben.
Also lebt der Yogi mit allem, was das Leben bringt: im Hoch, im Tief und in allem was dazwischen liegt, durch Hervorbringen von Akzeptanz.